DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

Buddhistischer Orden: Bewahrer des Dharma — Anja Oeck & Carola Roloff

Der Orden hat traditionell die Verantwortung, den Dharma zu bewahren. Die Autorinnen schildern die Gründung des Ordens durch den Buddha, die Entwicklung der Klöster sowie die Probleme westlicher Ordinierter heute.

Das Verständnis von Sangha ist in den verschiedenen buddhistischen Traditionen vielfältig: Während man im südlichen Theravāda-Buddhismus, etwa in Sri Lanka, Thailand, Burma oder Kambodscha, sowie im tibetischen Buddhismus darunter heute lediglich Mönche und in Ausnahmen auch Novizen-Nonnen (Śrāmaṇerikās) versteht, zählen in Taiwan, Korea und Vietnam starke Nonnenorden schon von Beginn an zum Sangha. Neben den Ordinierten gibt es in allen Traditionen zusätzlich auch beide Stände der Laienanhänger (Männer: Upāsakas, Frauen: Upāsikās). Sie werden im Mahāyāna im weiteren Sinne mit zum Sangha im Sinne der Gemeinschaft der Praktizierenden gezählt.

Der erste Sangha entstand gleich nach der Erleuchtung des Buddha. Nachdem dieser unter dem Bodhi-Baum das Ziel seines Weges erreicht hatte, beschloss der Erwachte nach einigem Zögern, seine Lehre weiterzugeben. Kurz darauf begegnete er fünf Bettelmönchen und löste sein Vorhaben ein, indem er das Rad der Lehre in Bewegung setzte. Die „fünf guten Asketen“ wurden die ersten Schüler des Buddha. Damit war der Mönchsorden gegründet. Die Ordination ging ohne Ritual vonstatten, einfach indem der Buddha rief: „Kommt, Mönche!“ In dem Moment sollen ihre Haare geschoren gewesen sein, und sie sollen plötzlich Mönchsgewänder und Almosenschale getragen haben.

Fünf Jahre nach Entstehung des Mönchsordens, also noch zu Buddhas Lebzeiten, gründete der Erhabene den ersten Nonnenorden. Mahāprajāpatī, Buddhas Stiefmutter, bat als erste Frau um die Ordination. Nach der Pali-Überlieferung erhielten die 500 Śākya-Frauen in ihrer Begleitung zunächst noch vom Mönchsorden das Gelübde. Später ging diese Verantwortung, die Ordination durchzuführen, vorwiegend auf den Nonnenorden über.

Der Buddha wies den mittleren Weg, der Genügsamkeit. Er sah nicht die extreme Askese als Vorteil für das Erwachen an. Dies trug den Buddhisten den Spott der Jainas ein: „Ein weiches Lager, früh beim Aufsteh´n dann ein Trunk, mittags die Mahlzeit, abends wieder was zu beißen, bei Nacht noch Süßigkeiten und zum Schluss Erlösung, so hat's der gute Śākya-Sohn sich ausgeheckt.“

Bewahrer der Lehre

Im Laufe der Geschichte sind für die Mönchs- und Nonnen-Weihe umfangreiche Ordinations-Rituale entstanden. Von Anfang an wurden bei Noviz-Mönchen lediglich die Eltern um Zustimmung gebeten, während bei angehenden Nonnen auch etwaige Ehemänner ihr Einverständnis geben mussten. Mit der Ordination war die junge Frau ihrer familiären und beruflichen Verpflichtungen enthoben und konnte in die Hauslosigkeit ziehen. Mit der Gründung von Orden war ein wichtiger Zweck eingelöst, nämlich die möglichst vollständige Überlieferung des Dharma. Mönche und Nonnen, die sich von allen weltlichen Aufgaben frei machten, sorgten und sorgen auch heute noch für Erhalt und Weitergabe der Lehre.

Nicht jeder Einzelne muss die gesamte Lehre beherrschen, um zu praktizieren. Denn es kommt nicht allein auf die theoretische Kenntnis der Schriften an, sondern auf die emotional erfüllte Anwendung im täglichen Leben. Um aber für alle Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen die richtigen Mittel bereit zu erhalten, kann insgesamt kein Teil der Lehre vernachlässigt oder ausgeklammert werden. Schließlich soll auch in Zukunft jeder, der sein Heil im Buddhismus sucht, seinen Fähigkeiten entsprechend unterrichtet werden. Es ist bis heute vorwiegend die Verantwortung der Mönchs- und Nonnenorden, die Lehre durch Studium und Praxis zu bewahren und an Laien weiterzugeben.

Indem sie Mönche und Nonnen beim Almosengang oder auf Wanderschaft zu Lehrern unterstützten, konnten Laien im Alltag religiöses Verdienst sammeln, wenn ein Mönch oder eine Nonne vor dem Mittag schweigend vor der Haustür stand und auf Almosen wartete. Kam keine Reaktion, ging man weiter, maximal an drei Haustüren.1 Hatte man dann immer noch nichts bekommen, musste man den Tag fasten. In Hungerperioden sind die Orden mancherorts ausgestorben. Die Praxis des Almosengangs kam dennoch nicht in erster Linie den Ordinierten zugute. Diese stellten nach traditionellem Verständnis lediglich das Verdienstfeld dar, das Laien ermöglichte, gute Taten für eine vorteilhafte Wiedergeburt anzusammeln.

Ursprünglich waren die engsten Schüler des Buddha Wandermönche oder Waldeinsiedler, die unter Bäumen meditierten. Den Nonnen wurde diese Lebensform untersagt, nachdem es zu sexuellem Missbrauch gekommen war. Die Mönche halfen ihnen beim Bau von Unterkünften. Ausgehend vom Verbot, in den drei Monaten des Monsunregens zu wandern, um den Tod von Insekten in Kauf zu vermeiden, wurden auch die Mönche mit der Zeit sesshafter. Es ist anzunehmen, dass diese Entwicklung schon zu Lebzeiten des Buddhas begann.

So entstanden Klöster als Zentren der Lehre. Sie wurden von der Bevölkerung als religiöse Einrichtungen anerkannt und entwickelten sich z.B. in Tibet über die Jahrhunderte teilweise zu großen Staatsklöstern. Ein Sechstel des Familieneinkommens floss in Tibet an den Mönchs-Orden, und in fast jeder Familie wurde ein Sohn Mönch. Zudem erbten Klöster Ländereien, inklusive des gesamten Personals, und entwickelten sich zu mächtigen Säulen des Feudalsystems, die auch politischen Einfluss ausübten.

Mit dem Reichtum und dem dargebrachten Vertrauen übernahmen Ordinierte beratende Funktionen für weltliche Regenten sowie karitative und soziale Dienste. Das Geld in den tibetischen Klöstern beispielsweise wurde nicht nur für soziale Belange verwendet, sondern auch für die Errichtung prunkvoller Bauten als Stätten der Verehrung von Buddhastatuen und -Bildern sowie für die Versammlung des Sangha. Aber nicht alle buddhistischen Klöster waren reich. Die tibetischen Klöster im Exil sind verglichen mit japanischen und taiwanesischen Tempeln weniger prunkvoll.

Das Vertrauen in buddhistische Klöster und in den Orden war in Asien größer als es im Westen ist. Es gab eine strenge Aufgabenteilung zwischen Ordinierten und Laien. Während die Mönche und Nonnen den Buddhismus intensiv kennen lernten, waren Laien in Asien selten daran interessiert, den Buddhismus zu studieren oder in der Meditation zu vertiefen. Wer dieses Bestreben hatte, ging in der Regel ins Kloster. Heute scheint sich das Blatt zu wenden, nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Bedeutung der Bildung, auch für die Laien. In mehreren asiatischen Ländern gibt es buddhistische Universitäten, an denen man international anerkannte akademische Abschlüsse erlangen kann. Alle können dort studieren, ob Männer oder Frauen, Laien oder Ordinierte. Reine Klosteruniversitäten, in denen man traditionelle Abschlüsse wie den Geshe Titel erwerben kann, gibt es fast nur noch in der tibetischen Tradition.

Ordinierte im Westen 2004

In Europa existieren drei Mönchsklöster der tibetischen Gelugpa-Tradition: das von S.H. Dalai Lama gegründete Klösterliche Tibet-Institut in Rikon/Zürich, das Kloster Rabten Choeling (früher: Tharpa Choeling), das unter der Leitung von Geshe Rabten am Genfer See gegründet wurde und das von Lama Yeshe gegründete Nalanda Monastery in Südfrankreich. Ein Nonnenkloster in Südfrankreich hat sich wieder aufgelöst. In Europa gedeihen jedoch zahlreiche buddhistische Zentren, in denen sich Laien neben ihrem Beruf mit Buddhismus in Theorie und Praxis beschäftigen können.

Für Ordensleute, die in buddhistischen Zentren leben, ist es schwer, über Jahrzehnte die nötige Kraft aufzubringen, neben dem Streben nach Befreiung auch der buddhistischen Gemeinde im Sinne des Mahāyāna zu dienen. Die Legitimation der Ordinierten ist aber nicht aus ihrer Weihe abzuleiten, sondern daraus, ob und wieweit sie die Lehre des Buddha verwirklichen. Dafür ist ein regelmäßiger Rückzug in einer klösterlichen Gemeinschaft unabdingbar.

Laien haben im Westen oft mehr Rückzugsmöglichkeiten als Ordinierte. Der Buddhismus ist aber erst dann in einem Land verwurzelt, wenn auch die Mönchs- und Nonnen-Orden etabliert sind. Es ist vor allem der Sangha, der seit mehr als 2500 Jahren dafür gesorgt hat, dass auch künftigen Generationen der Weg zur Erlösung entsprechend der Lehre des Buddhas gewiesen werden kann.

Verdienste durch Gaben an den Orden

Verdienste strömen ununterbrochen für diejenigen, die folgende Arten des Gebens an Mönche und Nonnen üben: 1. Das Geben von Hainen, 2. Tempeln, 3. Sitzen und Liegen, 4. ständigem Lebensunterhalt. Weiter werden genannt Gaben an 5. Reisende, 6. Kranke und Krankenpfleger und 7. finanzielle Unterstützung im Fall von Katastrophen.

Gaben von Klosterplätzen und Tempelräumen an den Buddha und seine Nachfolger sind Gaben an das „Feld der Vorzüge“, weil diese Wesen besondere Tugenden und Vorzüge besitzen. Gaben an Reisende, Kranke und Krankendiener sowie an Menschen in Notlagen sind Gaben an das „Feld des Mitleids“. (Geshe Thubten Ngawang)

Erschienen in „Tibet und Buddhismus“, Heft 70, 2004, www.tibet.de/zeitschrift. (PDF)

Leicht gekürzt von Thubten Choedroen.