DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

Fragen & Antworten

Überblick

Zur allgemeinen Situation der Mönche und Nonnen

1. Wie viele deutschsprachige buddhistische Mönche und Nonnen leben im deutschsprachigen Raum? Sind sie unter einander vernetzt?

Eine genaue Zahl der buddhistischen Ordinierten ist nicht bekannt. Der DBO sind etwa 30 Nonnen und 25 Mönche bekannt. Eine Vernetzung gibt es durch die DBO.

2. Sind buddhistische Mönche und Nonnen hinreichend abgesichert, was Kranken- und Rentenversicherung anbelangt? Wer kommt dafür auf, wenn sich ein Mensch, z. B. nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit dazu entscheidet, zu ordinieren?

Die Situation von buddhistischen Ordinierten in Europa ist sehr komplex und von Tradition zu Tradition und Situation zu Situation verschieden. Allgemein kann aber gesagt werden, dass in Bezug auf die Altersversorgung buddhistische Ordinierte nicht ausreichend abgesichert sind.

3. Was würden buddhistische Mönche und Nonnen nach einem traumatischen Erlebnis tun, um wieder „normal“ weiter zu leben und um dieses zu verarbeiten?

Bei leichteren psychischen Schwierigkeiten können buddhistische Methoden sehr unterstützen und helfen. Bei schwereren psychischen Störungen wäre es für die Betroffenen ratsam, psychotherapeutische und psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

4. Können Ordinierte noch arbeiten und Steuern abführen?

Unter Umständen als Notlösung, weil noch nicht alle Ordinierte genügend unterstützt werden.

5. Muss jede/r Ordinierte in einer Gemeinschaft leben oder kann man auch alleine in einer Wohnung leben und seinen Lebensunterhalt (z. b. durch selbständige Arbeit) alleine finanzieren?

Es besteht kein Klosterzwang, doch wird es oft vom Lehrer oder Ordinationsmeister gewünscht, bzw. gefordert. Allein in seiner Wohnung zu leben und den Lebensunterhalt zu bestreiten kann als Notlösung gesehen werden.

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Entscheidung und Vorbereitung für das Nehmen der Gelöbnisse

6. Welche „Stufen“ der Vorbereitung gibt es, bevor man Novize/Novizin werden kann?

In den meisten Klöstern gibt es eine Vorbereitungszeit, in der OrdinationsanwährterInnen das buddhistische Klosterleben kennen lernen können. Die Entscheidung, ob eine Person für die Ordination geeignet ist, erfolgt letztendlich durch den Ordinationsmeister oder die Ordinationsmeisterin. Die buddhistische Zufluchtnahme und ein fundiertes buddhistisches Grundwissen sind Grundvoraussetzung.

7. Gibt es eher eine plötzliche Entscheidung für diesen Weg, oder lebt man vor dieser Entscheidung schon jahrelang ohne Partner, Besitz etc.?

Wie in anderen Lebensbereichen auch, sind plötzliche Lebensentscheidungen häufig nicht sehr stabil. Bei den meisten Ordinierten geht eine lange Entscheidungsfindung voraus. Die einzelnen Lebenswege der Ordinierten sind aber natürlich sehr individuell.

8. Ist ein Leben als buddhistischer Mönch bzw. Nonne nicht eine Weltflucht, finden sich hier nicht besonders viele Menschen, die vor Problemen mit Familie, Arbeit, Sexualität etc. fliehen und sich entspannt zurückziehen wollen?

Eines ist gewiss, dass man mit dieser Motivation nicht lange Mönch/Nonne bleiben wird. Deshalb ist es auch wichtig, dass man seine Motivation zur Ordination über einen gewissen Zeitraum hin überprüft. Man darf eine wahre Befreiung von weltlicher Anhaftung nicht mit einer Flucht vor der Welt verwechseln. Um zur wahren Befreiung zu gelangen, ist es nötig sich von den Geistesgiften der Begierde, Wut und Ignoranz (in all ihren Variationen) zu befreien, die ja gerade unsere Probleme und Leiden ausmachen. Nicht gefangen zu sein im dualistischen Denken des Greifens danach, was uns glücklich zu machen scheint (um dann daran festzuhalten) und dem Versuch, allem aus dem Weg zu gehen, was wir nicht mögen. Wie kann man sich entspannt zurückziehen, wenn man die Ursache/die Wurzel des Leidens nicht erkannt und beseitigt hat? Das heißt, man wird auch als Mönch bzw. Nonne immer wieder damit konfrontiert, und muss sich den Problemen stellen – sogar noch mehr, da die Möglichkeiten zum Ausweichen immer geringer werden. Der Weg zur Befreiung ist ein Weg der Verantwortlichkeit (insbesondere der Selbstverantwortlichkeit), auf dem man sich immer weniger vor sich selbst verstecken kann. Wenn Mönche/Nonnen dabei entspannt sind und Glück erfahren, so ist das die Frucht ihrer intensiven Praxis. Dies kann jedoch nur durch eine Motivation erlangt werden, die auf das Wohlergehen aller Lebewesen ausgerichtet ist (inklusive uns selbst).

9. Wo und wie kann man Mönch oder Nonne auf Probe oder auf Zeit werden?

In Myanmar (Burma) und Thailand ist temporäre Ordination – neben der Ordination für unbefristete Zeit oder lebenslang – verbreitet. Bereits Kinder gehen in den Ferien für eine bestimmte Zeit ins Kloster und werden „Novizen“. Als Erwachsene (über 20 Jahre) können Männer auch für ein paar Wochen oder Monate Bhikkhu werden. So haben sie Erfahrungen aus „erster Hand“, was das Leben im Kloster betrifft, und können sich u.U. bewußt gegen eine Heirat und für das Leben als Ordinierter entscheiden.

Weder die Ordination als Samanera/Samaneri- noch die als Bhikkhu impliziert in der Theravada-Tradition ein lebenslanges Gelübde, dennoch macht es natürlich Sinn, bis zum Lebensende in der Robe zu bleiben. Der Buddha selbst hat seinen früheren Lebenstil nicht wieder aufgenommen. Im Dhammapada finden wir die folgende Strophe im Hinblick auf einen Menschen, der den ordinierten Sangha wieder verlassen hat:

„Bereits dem Dschungel des Verlangens entronnen,
Da willst du jetzt wieder zurücklaufen?
Mein Freund, bitte betrachte dies wirklich gründlich:
Schon frei, verlangt es dich zurück nach deinen Fesseln?“
(Vers 344)¹

Eine gute Möglichkeit, am Leben im Orden teilzuhaben und die Entscheidung für oder gegen die Ordination zu treffen, ist die Rolle von Anagarikas, die vor allem in der Ajahn-Chah-Tradition und vielfach auch allgemein in den westlichen Theravada-Klöstern zu finden sind. Die Anagarikas sind eine Art von „Postulanten“; sie haben noch nicht die gleiche Zahl von Regeln und Verbindlichkeiten wie Samaneras/Samaneris oder Bhikkhus/Bhikkhunis; sie nehmen die „Acht Regeln“, haben dabei bereits die Haare geschoren und tragen eine weiße Robe. Auch können sie noch Besitz haben und mit Geld umgehen. Falls Anagarikas sich entscheiden, doch wieder ins weltliche Leben zurückzukehren, ist dieser Schritt im allgemeinen leichter. Die „Anagarika-Phase“ - in der Regel ein Jahr oder länger – kann als eine Art Probezeit betrachtet werden, der dann auf Wunsch und bei entsprechender Eignung eine weitere Ordination folgt.

10. Gibt es eine Art „Ruf“ oder innere „Bestimmung“ für dieses Leben als buddhistischer Mönch bzw. Nonne?

Das ist sicher individuell verschieden. Bei einigen hat sich das Annehmen des Lebens als Ordinierte/r aus dem Studieren und Praktizieren der buddhistischen Lehre entwickelt. Der Wunsch Mönch oder Nonne zu werden kann aber auch karmischen Prägungen früherer Leben entspringen, in denen man bereits als Mönch oder Nonne lebte und praktizierte.

11. Was ist Wert und Sinn des Lebens als buddhistischer Mönch oder Nonne?

„Ein Haushälter oder Sohn eines Haushälters oder jemand, der in einer anderen Familie geboren wird, hört jenes Dhamma. Wenn er das Dhamma hört, erlangt er Vertrauen in den Tathāgata. Im Besitz jenes Vertrauens betrachtet er: ‚Das Leben eines Haushälters ist eng und staubig; das Leben in der Hauslosigkeit ist weit und offen. Während man zu Hause wohnt, ist es nicht leicht, das heilige Leben zu führen, das zutiefst vollkommen und rein ist, wie eine polierte Muschel. Angenommen, ich rasiere mir das Kopfhaar und den Bart ab, ziehe die gelbe Robe an und ziehe vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit.‘ Bei späterer Gelegenheit rasiert er sich das Kopfhaar und den Bart ab, zieht die gelbe Robe an und zieht vom Leben zu Hause fort in die Hauslosigkeit, wobei er ein kleines oder großes Vermögen, einen kleinen oder großen Verwandtenkreis aufgibt.“ — Mittlere Sammlung (Majjhima Nikāja)², 27

12. Was kann ein Leben als Mönch, als Nonne einem jungen Menschen bieten?

Die Ordination zum Mönch/zur Nonne stellt eine Vertiefung der Zufluchtsgelübde dar, die man genommen hat, als man Buddhist wurde. Somit bedeutet sie auch eine Verstärkung und Unterstützung in der spirituellen Ausrichtung (die Ausrichtung hin zum Buddha, Dharma und Sangha), zu der man sich verpflichtet hat.

Wenn dies in jungen Jahren geschieht, so kann man sein zukünftiges Leben ohne große Umwege völlig darauf konzentrieren – innerhalb der monastischen Strukturen, die eine Innenschau fördern und innerhalb einer Gemeinschaft (dem Sangha) von spirituellen Freunden, die den gleichen Weg gehen.

Es ist gut, etwas Lebenserfahrung mitzubringen, denn der Schritt in die Ordination sollte nicht aus einer Lebensflucht heraus geschehen. Die Motivation ist sehr wichtig. Viele Menschen spüren eine Berufung zum spirituellen Leben, auch den Wunsch, den Menschen von Nutzen zu sein, und sie finden außerdem im Leben als Ordinierte eine Antwort auf ihre existentiellen Fragen und die Unzulänglichkeiten einer weltlichen Lebensweise (die nach außen gerichtet ist).

Die Schwerpunkte der Aufgaben und Tätigkeiten und somit auch der Ausbildung variieren innerhalb der Traditionen und Schulen – sei es das Studium, die Praxis, die Meditation, die Betreuung und Belehrung von Laien, das Leiten von Zentren usw. Gemäß der eigenen Tendenzen und Fähigkeiten kann man sein gesamtes Leben der Entwicklung auf dem Buddha-Weg auch dem Wohle aller Lebewesen widmen.

13. Ist es nicht besser, erst ein Leben als Haushälter abgeschlossen zu haben und sich erst in der Rente ordinieren zu lassen?

Anscheinend ist es für westliche Menschen oft ratsam, vor einer Ordination zunächst eine geraume Zeit als Erwachsene Erfahrungen mit der weltlichen Lebensführung zu machen – vor allem im Hinblick auf eine berufliche Tätigkeit und die Beziehungen zum anderen Geschlecht. Sonst mag sich später vielleicht eher ein Gefühl einstellen, man habe diesbezüglich etwas versäumt, was man doch noch nachholen möchte. Womöglich legt man dann die Robe wieder ab.

Aber ein Aufschieben der Ordination bis zur Rente ist nicht generell anzuraten. Ist es denn überhaupt sicher, dass man die Rentenzeit erreichen wird? Und wie viel Zeit wird einem dann noch bleiben, in der man mit der nötigen physischen Energie und geistigen Spannkraft die Übungspraxis verwirklichen und auch Aufgaben im Sangha übernehmen kann? All dies ist ungewiss. Ist der starke Wunsch da, solch ein ganz der Übung und Verwirklichung des Buddha-Weges gewidmetes Leben zu führen, das den weltlichen Verhaftungen und Ablenkungen entsagen möchte, sollte man die Ordination möglichst in naher Zukunft anstreben. Natürlich wird vorab eine gründliche Prüfung der eigenen Motivation ratsam sein. Dann wird man bereits kurzfristiger das segensreiche Leben als Ordinierte erfahren und seine Bemühungen im Dharma gut entfalten können.

14. Wie bereitet man sich vor, wenn man langsam, aber sicher den Wunsch, die Gelübde zu nehmen, in sich aufkeimen sieht?

Allgemein gesagt ist dazu zu raten, zum einen die eigene Motivation ehrlich zu überprüfen. Ist wirklich eine tiefe Sehnsucht da, als Ordinierte/r den Heilsweg bestmöglich zu verwirklichen? Und ist damit die Überzeugung gegeben, dass man aus der Welt des Leidens herausfinden und das beständige Glück des Nirvāņa erlangen kann? Besteht überdies der Wunsch, anderen dabei helfen zu wollen? Zum anderen sollte man, soweit das möglich ist, ernsthaft erwägen und womöglich ein wenig testen, ob man die Anhaftungen an die weltliche Lebensführung und entsprechende Vergnügungen loslassen kann.

Dann kann man versuchen, seinen Wunsch in einem realen Umfeld zu überprüfen, also als Laie eine gewisse Zeit in einem Kloster jener Richtung verbringen, zu der man sich hingezogen fühlt. Entspricht dies zu wenig den eigenen Erwartungen, sollte man den Wunsch nicht gleich aufgeben, sondern es vielleicht noch einmal anderswo probieren. Außerdem wäre anzuraten, sich noch genauer mit der Lehrweise und den Methoden der Praxis buddhistischer Schulen vertraut zu machen. In einem Kloster, notfalls auch in einem Zentrum, in dem Ordinierte leben, erfährt man dann konkret etwas über den Tagesablauf und die Anforderungen, die dort an die Bewohner gestellt werden. Nicht zuletzt kann man die eigene Bereitschaft überprüfen, das nicht immer einfache Leben in solch einer Gemeinschaft aufzunehmen. Auch lernt man die dortigen Ordinierten genauer kennen. Im günstigen Falle mag man spüren, ob und wie eine solche Lebensweise auf sie einwirkt und wird ermutigt und inspiriert, solch einen Weg ebenfalls zu wählen.

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Aufgaben, Lebensweise der Mönche und Nonnen

15. Was können buddhistische Ordinierte für die Gesellschaft tun?

Die Hauptaufgabe von Ordinierten ist es, die buddhistische Lehre zu verwirklichen und authentisch weiterzugeben. Im Sinne einer Vorbildfunktion zeigen sie auch einen alternativen Lebensweg auf. Der Sangha (die Gemeinschaft der Ordinierten) als eines der Drei Juwelen steht den Laien auch als Feld oder Objekt zur Verfügung, um großherziges Geben zu praktizieren. Daneben sind soziales Engagement und seelsorgerische Unterstützung von Hilfesuchenden wichtige Aufgaben von Ordinierten.

16. Missionieren buddhistische Ordinierte?

Nein. Missionieren in dem hier bekannten Sinne nicht, in dem man versucht, Menschen anderen Glaubens zur Buddhalehre zu bekehren. Die buddhistische Lehre kann vielen Menschen helfen, und wenn diese Interesse zeigen, ist es angebracht, eine angemessene Antwort zu geben.

17. Was bedeutet ‚in die Hauslosigkeit‘ zu ziehen?

Im ursprünglichen Sinne bedeutet es, den Rahmen der eigenen Familie zu verlassen, um Mönch oder Nonne zu werden. Dies sollte mit Zustimmung der Eltern geschehen.

Im weiteren Sinne bedeutet es, den weltlichen Belangen zu entsagen. Hier kann man von den acht weltlichen Dharmas/Angelegenheiten (Gewinn-Verlust, Ruhm-Verleumdung, Lob-Kritik, Vergnügen-Schmerz) sprechen, die die Interessen eines weltlich ausgerichteten Menschen darstellen.

Weiterhin bedeutet es, eine Ausrichtung zu entwickeln die von Buddha folgendermaßen gelehrt wurde:

„Unterlasse Unheilsames,
Tue Heilsames und
Zähme Deinen Geist.“

Wie dies im Speziellen aussieht, kann in den verschiedenen buddhistischen Traditionen unterschiedlich sein. Gemeinsam ist jedoch allen das Bestreben, die Anhaftung an das Weltliche zu überwinden und Befreiung zu erlangen.

18. Ist ein Leben in der monastischen Tradition überhaupt noch zeitgemäß?

Nehmen wir einmal an, im asiatischen Raum würde eine neue Universität gegründet und man würde planen, ein Institut für Physik einzurichten. Würden die Physikprofessorinnen und Physikprofessoren dann darüber diskutieren, ob sie die Fluxionsrechnung von Newton oder die Gesetze der Thermodynamik oder Einsteins Relativitätstheorie lehren sollten? Angenommen, ein Professor würde sich erheben und sagen: „Diese Gesetze und Theorien kommen aus dem modernen Westen. Sie sind nicht Teil unseres kulturellen Erbes und nicht zeitgemäß. Wir sollten nicht verpflichtet sein, sie an unserer Universität zu lehren. Sie sind Teil des momentanen, kulturellen Gepäckes im Westen, deswegen müssen wir darauf verzichten, wenn wir in Asien Physik lehren.“

Die Gesetze der Physik werden nicht nur gelehrt, weil sie Teil eines bestimmten, momentanen kulturellen Erbes sind, sondern weil sie Phänomene erklären, die universell wahr sind. Das ist der Zweck der Physik. Und so sind die monastischen Traditionen universell zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Ein monastisches Umfeld gleicht einer Universität oder einem anderen Lernumfeld. Dort wird der Fokus auf die Suche nach einer objektiven Wahrheit gerichtet. Diese Suche ist zeitlos und an kein kulturelles Umfeld gebunden. Die Lernenden, in unserem Falle Nonnen oder Mönche in einem monastischen Kontext sind mittels Geistesschulung darum bemüht, die Essenz und Aufgabe eines menschlichen Lebens, die Komplexität des Bewusstseins aus der buddhistischen Perspektive zu verstehen und sich mit den Faktoren des existentiellen Leiden zu befassen um darüber hinauszugehen.

Und schon vor 2600 Jahren haben sich Mönche und Nonnen aus dem Leiden befreit … Würden diese Methoden mit der man das macht nicht wirksam sein, wären sie im Laufe der Jahrtausende längst verloren gegangen.

19. Müssen Ordinierte immer für Laien ansprechbar sein und ihnen helfen oder können sie dies auch ablehnen und sich zurückziehen?

Das kommt sehr darauf, wo der/die Ordinierte lebt und wie dort das Selbstverständnis eines Ordinierten verstanden und gelebt wird. In den sogenannten Sadtklöstern und buddhistischen Stadtzentren wird es außer viel Studium und Lehre auch einen großen Teil an Sozialarbeit geben, d.h. Ansprechbarkeit, Rat und Hilfe für Laien mit all ihren unterschiedlichen Problemen, auch sehr weltlichen. In den sogenannten Waldklöstern ist man mehr auf Meditation und Rückzug eingestellt und vermeidet oder limitiert daher die sozialen Kontakte und Aufgaben, z.B. durch strenge Besuchs- und Telefonzeiten und eine isolierte Lage des Klosters. Insofern sollte der Ordinationswillige das Kloster prüfen, ob es seinen Vorstellungen und gewünschten Schwerpunkten sowie seinem Temperament entspricht.

Herangetragene Bitten um Hilfe werden meist nicht direkt abgelehnt, sondern die hilfesuchenden Laien werden ja nach Problemstellung weitervermittelt. So wird es wahrscheinlich bei Problemen mit Familie, Partnerschaft oder Finanzen bessere Ratgeber und Helfer geben als Ordinierte, die diesen Lebensbereichen ja entsagt haben. Wenn die Laien nicht selbst spüren, welche Fragen an die Ordinierten angemessen sind und welche nicht, kann es für Mönche und Nonnen schon einmal schwierig werden. Mit Mitgefühl und Geduld zu reagieren und die Situation als Übungsfeld zu betrachten ist sicher besser, als abzulehnen, was von den Laien oft als kalt und arrogant empfunden wird, aber man muss auch seine eigenen Grenzen kennen und respektieren. Letztlich ist es immer ein Balanceakt, ob und wie weit der Ordinierte den Laien zur Verfügung steht.

20. Muss man im Wald oder in einer Höhle meditieren?

Nein, aber es kann durchaus nützlich sein. Im Westen wird meistens gemeinsam im Kloster oder Meditationszentrum meditiert oder alleine im Zimmer. Schon klimatisch und gesundheitlich hätten viele Menschen hier ein Problem, wenn sie draußen meditieren müssten. Aber es gibt auch hier – wenn auch in Asien mehr – Einsiedlernaturen, ob ordiniert oder nicht, die gerne alleine und in der Natur meditieren. Der Buddha empfahl seinen Mönchen häufig, im Wald zu praktizieren, an einem lieblichen, abgeschiedenen Ort. So heißt es z.B. im bekannten Mahāsatipaṭṭhāna-Sutta (M10 und D22): „Da ist hier, o Mönche, der Mönch in den Wald gegangen, an den Fuß eines Baumes oder in eine leere Behausung.“

Und vor allem in den Versen der Älteren (Theragāthā) finden sich wahre Lobeshymnen an Natur und Wald, so z.B. in den Versen des Arahant Tālapuṭa Thera:

„In einer Höhle oder auf der Felsen Höhe,
von wilden Ebern, Antilopen aufgesucht,
in tiefem Wald, von kühlem Regen fein besprengt:
In kühler Grotte dort verweilend wird mir Glückseligkeit zuteil.“
(Thag. 1135)

Wald, Berge oder Höhlen sind oft besondere Energieplätze, an die sich einige Ordinierte gerne vorübergehend zurückziehen, um dort ohne viel Ablenkungen intensiv zu praktizieren. Für Vollordinierte (Bhikkhus und Bhikkhunīs) besteht jedoch die Notwendigkeit zum täglichen Almosengang, da sie weder selbst Kochen noch Essen aufbewahren dürfen. Das bedeutet sie müssen dann doch wieder unter die Menschen, oder Laien-Unterstützer bringen ihnen ihre Mahlzeit an ihren Retreatplatz im Wald oder leben gar mit ihnen dort. Für vollordinierte Nonnen (Bhikkhunīs) gilt darüber hinaus die Vorschrift, dass sie nicht alleine in den Wald gehen geschweige denn dort länger verweilen dürfen. Auch in Asien sind es nur sehr wenig Ordinierte, die tatsächlich im Wald leben und meditieren oder eine Höhle bewohnen, aber es gibt sie noch.

Einerseits ist Meditation im Wald oder in einer stillen, dunklen Höhle sehr förderlich und kann in große Tiefen führen, anderseits sollte man nicht glauben, dass die äußere Umgebung, deren Ruhe und Friedlichkeit, auch einen ruhigen, klaren und friedfertigen Geist macht. Die ungewohnten Geräusche des Waldes, das Wetter und so manches Getier können eine große Herausforderung sein. Nicht zu reden vom eigenen Geist mit seinen Schwächen und Problemen, den man ja mitgenommen hat.

21. Warum haben buddhistische Mönche und Nonnen kahlgeschorene Köpfe?

Buddhistische Mönche und Nonnen folgen darin dem Buddha selbst, der nach dem Verlassen seiner Familie und des Palastes seine Haare abschnitt – auch wenn viele Buddha-Bilder und Buddha-Statuen das zu widerlegen scheinen (auf der Grundlage von Legenden oder als Ausdruck „künstlerischer Freiheit“). Das Scheren von Kopfhaaren und Bart war eine Tradition unter den vielen spirituellen Suchern, die es zu dieser Zeit in Indien bereits gab. Es ist ein sichtbares Zeichen der Entsagung, der Entschlossenheit, auf Sinnesfreuden zu verzichten, frei zu werden für beständiges Glück, das allein auf geistigem Wege zu finden ist.

Durch das Scheren der Haare signalisieren Mönche und Nonnen, dass sie auf gutes Aussehen und erotische Ausstrahlung verzichten und sexuelle Enthaltsamkeit praktizieren wollen. Sie leben so einfach wie möglich, um sich ganz der Entwicklung des Geistes widmen zu können. Während normalerweise für die Frisur viel Zeit und Geld aufgewendet wird, benötigen Mönche und Nonnen lediglich etwas Seife und gelegentlich eine neue Rasierklinge. In heißem Klima ist ein Kopfschutz gegen die Sonnenstrahlung erforderlich, und in kühleren Regionen wie in Deutschland tragen buddhistische Mönche und Nonnen häufig eine einfache Mütze in der Farbe der Robe, um sich vor Kälte zu schützen.

22. Was passiert, wenn ein Mönch, eine Nonne die Regeln des Vinaya bricht? Kann ein Gelübdebruch gereinigt werden?

Der Vinaya enthält mehrere Kategorien von Regeln, und die Übertretung zieht unterschiedliche Konsequenzen nach sich, je nachdem, um welche Art von Regeln es sich handelte.

Der Bruch des Zölibat-Versprechens z.B. ist ein sogenanntes Pārājika und führt – wenn alle entscheidenden Faktoren erfüllt sind – zum lebenslangen Ausschluss aus dem Sangha. Das heißt, der Bhikkhu oder die Bhikkhuni muß die Robe ablegen und kann für den Rest des Lebens nicht wieder die volle Ordination erhalten.

Andere Regeln sind wesentlich weniger schwerwiegend. Die meisten Regeln gehören zur Kategorie der Pācittiyas; sie können durch einfaches Bekennen vor einem anderen Bhikkhu (im Falle von Bhikkhus) oder einer anderen Bhikkhuni (im Falle von Bhikkhunis) bereinigt werden. Natürlich erfordert dies auch den ehrlichen Vorsatz zur Anstrengung, um diese Übertretung nicht wieder zu begehen. So kann eine kontinuierliche Verbesserung stattfinden, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Regeln, die als weniger schwerwiegende gelten, nichtsdestoweniger wichtig sind, da sie helfen, schwere Übertretungen zu verhindern – z.B. in dem sich Bhikkhus / Bhikkhunis nicht leichtfertig – bzw. absichtlich – Situationen aussetzen, die zum Bruch des Zölibat-Versprechens führen könnten.

Der Buddha hat nur dann eine Vinaya-Regeln erlassen, wenn entsprechendes Fehlverhalten von Mönchen oder Nonnen zugrunde lag. So umfassen sie ein ganzes Spektrum von Situationen, die im Leben von Bhikkhus und Bhikkhunis relevant sind, z.B. auch den richtigen Gebrauch der Requisiten Essen, Robe, Unterkunft und Medizin sowie den Umgang mit den Laien, die ihnen diese Requisiten zur Verfügung stellen. Bei unrechtmäßigem Erhalt oder unrechtmäßigem Umgang mit solchen Requisiten muß unter Umständen eine Robe oder eine Almosenschale abgegeben werden.

Die Vinaya-Regeln dienen der Fortdauer des Sangha, der Gemeinschaft der Ordinierten in der Nachfolge des Buddha, und gleichzeitig unterstützen sie den einzelnen Bhikkhu oder die einzelne Bhikkhuni auf ihrem Weg zum Erwachen, was ja ein kontinuierlicher Prozess der Reinigung von den Befleckungen im Geist ist – ein Prozess des Loslassens von allen Formen von Gier, Hass und Verblendung. Außerdem sind sie eine Grundlage für möglichst konfliktfreies Zusammenleben der Ordinierten untereinander und sollen harmonische und wechselseitig förderliche Beziehungen zu den Laien unterstützen.

23. Stimmt es, dass der Dharma ohne Ordinierte dem Untergang bzw. der Verwässerung anheimfallen würde?

Dies muss man gemäß der Lehren des Buddha wohl mit Ja! beantworten.

Der vollständige Fortbestand der Lehre hängt von verwirklichten Praktizierenden innerhalb der Vierfachen Versammlung ab (siehe Abstract: The Four Assemblies and the Foundation of the Order of Nuns). Die Vierfache Versammlung und die Drei Körbe (Tripitaka) mit der entsprechenden Praxis wären ohne Ordinierte nicht mehr vollständig vorhanden. Vor allem der Vinaya, der Korb der ethischen Dispziplin zur Zügelung des körperlichen, sprachlichen und geistigen Verhaltens, würde erlöschen. Ohne Vollordinierte gibt es keinen Vinaya. Der Buddha sagte über den Vinaya:

„So wie die Erde die Grundlage für alles Leben ist und alles wachsen lässt, so ist der gute Vinaya die Grundlage für jene, die nach Zügelung streben; und lässt ebenso Verdienste anwachsen.

Disziplin wird als die Quelle alles Ausgezeichneten verstanden, und dies verkörpert der Vinaya. So lange wie der vollständige Vinaya, der höchste Schatz, gegenwärtig ist, so lange wird die Leuchte des Dharma vorhanden sein.“

(aus Lobpreis des Vinaya, Tib: 'dul ba la bstod, Skt: Vinaya Stotra)

Differenziert analysiert kann man feststellen:

Unbestreitbar haben im Westen heute zahlreiche Laien günstigere Möglichkeiten, sich dem Buddha-Weg zu widmen, als dies in den Ländern Asiens im Allgemeinen zu beobachten ist. Viele westliche LehrerInnen verfügen über gut gegründete Kenntnisse in der Lehre und eine Menge Erfahrung in der meditativen Geistesschulung. Auch wird von ihrer Seite beeindruckende Arbeit bei der Übersetzung bedeutender Schriften oder mündlicher Vorträge geleistet; hinzu kommt die Edition von Büchern, die eine profunde Auseinandersetzung mit den Lehren bezeugen. Solch ein erweiterter Horizont bei der Vermittlung der Lehre durch westliche Laien darf durchaus als charakteristisch für die kreative, dynamische Aneignung und Vermittlung des Dharma, der in einen Kulturkreis mit vergleichsweise offenen kommunikativen Möglichkeiten verbreitet wird, gesehen werden.

Wie aber steht es mit der in der Frage angesprochenen Verwässerung der Lehre? Diese kann sich – von vielen unbemerkt – einstellen, wenn allzu bereitwillig den zeittypischen Modeströmungen gefolgt und die tief gehenden Aspekte des befreienden Weges nicht genügend einbezogen werden. Einwirkungsmöglichkeiten in breitere gesellschaftliche Felder, persönliche Anerkennung und nicht zuletzt finanzielle Rückwirkungen können leicht derart in den Fokus geraten, dass die Klarheit bezüglich dessen außen vor bleibt, was auf dem Buddha-Weg entscheidend weiterführt, jedoch auch, wie der Buddha es ausdrückte, „gegen den Ström“ läuft.

Die historische Kontinuität, in der Ordensangehörige sich erfahren, steht für ein Bewahren der Lehre in ihrer unmittelbaren Verbundenheit mit der Übungspraxis, die die Basis des Vinaya (der Ordensdisziplin) einschließt. Stärker als einzelne Individuen und Laiengemeinschaften sind Ordensleute in ihre Lehrtradition eingebunden, sehen es als ihre Aufgabe an, die Essenz von Lehre und Praxis zu schützen. Durch die Schulung als Mönch oder Nonne sind sie in anderer Weise durchdrungen von der Lebensweise, die den weltlichen „Vorteilen“ entsagt hat und werden erfahrungsgemäß weniger Rücksichten auf zeitbedingte Erwartungen nehmen wollen. Die Prägung durch eine Lebensform, die sich auf den Dharma und den Vinaya stützt, möglichst auch auf die Erfahrungen in einer Ordinierten-Gemeinschaft, führt im günstigen Fall dazu, dass eben von einem anderen Erfahrungshintergrund gelehrt werden kann. Dieser nicht zu unterschätzende Aspekt ist für viele Menschen subtil spürbar; würde er fehlen, wäre die Lehrvermittlung um einiges ärmer und auch im Sinne des Buddha nicht vollständig überliefert.

Vergessen wir nicht: der Buddha hatte seine Gemeinschaft mit der Vierfachen Versammlung begründet. Außer den männlichen und weiblichen Laienanhängern gehören die Mönche und Nonnen dazu. Er wusste darum, dass ein Zusammenwirken dieser vier Gruppen eine ganze Reihe von wichtigen Erfahrungen ermöglicht, auch jene, die spezifische noble Handlungsweisen und Gesten des Menschen hervorbringt. Sie bringen Vertrauen in den Sangha, Großzügigkeit, Dienst für den Sangha und Dankbarkeit auf beiden Seiten zum Ausdruck. Auch dieser Aspekt mag eine Form des Lehrens einschließen – unter Umständen sogar in nonverbaler Weise. Nicht zuletzt nutzen die Laien den Orden als bestes Verdienstfeld, um heilsame Handlungen auszuführen. Diese Sphäre der Förderung einer konsequent am Dharma ausgerichteten Lebensform wird so als ein Feld des Segens erfahrbar.

24. Wie sieht der Tagesablauf eines buddhistischen Ordinierten aus?

Natürlich gibt es Variationen im Tagesablauf von Ordinierten, je nachdem, ob sie in einem Kloster leben, in einem abgeschiedenen, mehr kontemplativen Kloster oder in einem buddhistischen Zentrum in der Stadt, welche spezielleren Aufgaben sie haben, usw. Im allgemeinen jedoch stehen buddhistische Mönche und Nonnen früh auf, denn gerade die frühen Morgenstunden sind für die Meditation besonders geeignet.

Im Bhikkhuni-Kloster Aneñja-Vihara z.B. beginnt die morgendliche Gruppenmeditation um 4 Uhr und endet kurz vor 6 Uhr mit Rezitationen. Um 6:30 gibt es ein stärkendes Getränk, danach werden die anfallenden Arbeiten im Haus oder draußen erledigt. Das „Dāna“, das Mittagsmahl, wird in diesem Kloster, das der Theravada-Tradition folgt, bereits um 10:30 gemeinsam eingenommen.

Die Nachmittagsstunden sind dem Studium der Buddha-Lehre und der Meditation gewidmet. Am Abend von 18-20 Uhr finden sich die Ordinierten – meist zusammen mit Laien-Gästen – wieder zum Chanting und zur Meditation in der Meditationshalle ein; danach kann individuell weiterpraktiziert werden.

Der Tagesablauf in einem tibetischen Zentrum in Deutschland sieht z.B. folgendermaßen aus:
Die ersten gemeinsamen Praxis-Sitzungen finden um 7:00 oder 7:30 statt; danach wird um 8:30 gemeinsam gefrühstückt. Daran kann sich eine weitere Praxis-Sitzung anschließen. Bis zum Mittagessen, das zwischen 12 und 13 Uhr stattfindet, geht jeder seiner Beschäftigung im Zentrum nach. Die Arbeit im Zentrum wird nach dem Essen fortgesetzt. Auch steht etwas Zeit zur individuellen Verfügung, bevor entweder um 18 Uhr oder um 19 die Abendsitzung beginnt, die 1 oder 2 Stunden dauert. Dieser Tagesablauf kann sich verändern je nach Wochentag, bzw. ob ein Retreat stattfindet oder nicht.

25. Warum dürfen buddhistische Ordinierte nach der Mittagszeit nichts mehr essen?

In einer Lehrrede im Majjhima Nikāya² (MN 70) lesen wir, dass der Buddha im Kasi-Land zu einer großen Gruppe von Mönchen folgendermaßen sprach:

„Ihr Bhikkhus, ich enthalte mich davon, nachts zu essen. Indem ich so verfahre, bin ich frei von Krankheit und Leid, und ich erfreue mich der Gesundheit, Stärke und eines leichten Lebens. Kommt, ihr Bhikkhus, enthaltet euch davon, nachts zu essen. Indem ihr so verfahrt, werdet auch ihr von Krankheit und Unbehagen frei sein, und ihr werdet euch der Gesundheit, Stärke und eines leichten Lebens erfreuen.“

Aus einer anderen Lehrrede (MN 66) geht hervor, dass die Bhikkhus in der Anfangszeit des Sangha auch abends aßen. Es ist vorgekommen, dass Mönche auf ihrer Almosenrunde im Dunkeln „in eine Klärgrube gelaufen sind, in einen Abwassergraben gefallen sind, in einen Dornenbusch gelaufen sind und über eine schlafende Kuh gestürzt sind...“ und vieles mehr: Eine Frau erschreckte sich sehr, da sie den Mönch auf Almosenrunde im Dunkeln für einen Dämon hielt.

Weitere Gründe für die Beschränkung des Essens auf die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenhöchststand sind folgende: Die notwendige Nahrungsaufnahme wird morgens erledigt, der Rest des Tages steht dann für die Meditation zur Verfügung. Man braucht nicht mehr über das Essen nachzudenken. Auch die Unterstützer, die das Essen spenden, haben dann Zeit, sich ihren übrigen Aufgaben und ihrer eigenen Familie zu widmen.

Wenn wir daran denken, wie häufig im Laienleben zwischendurch und nebenbei gegessen wird, wird deutlich, dass Ordinierte durch die Einschränkung in den Essenszeiten lernen, „nein“ zu sagen zu Gelüsten und Ablenkungen, und dass sie ihr Essen in einem Rahmen einnehmen, der es ihnen ermöglicht, beim Essen achtsam zu sein: Wenn sie essen, dann tun sie nichts anderes – auch nicht sprechen.

In vielen Klöstern geht die folgende Reflektion (nach Pāli Kanon, MN 2 ) dem Essen voran:

„Weise betrachtend benutze ich Almosenspeise, weder zum Spaß, noch zur Berauschung, noch zum Schmücken, noch zur Verschönerung, sondern nur, um diesen Körper am Leben zu erhalten, ihn zu ernähren, um Unbehagen zu beenden und das heilige Leben zu unterstützen, indem ich erwäge: ‚So werde ich alte Gefühle beenden, ohne neue Gefühle hervorzurufen, und ich werde gesund und ohne Tadel sein, und ich werde ein leichtes Leben haben.‘“

Der Buddha hat jedoch gewisse Substanzen wie Zucker, Honig, Butter und Öl für die Zeit nach Sonnenuntergang erlaubt, die eingenommen werden können bei besonderer Belastung, um Schwächezustände zu vermeiden. So gibt es in manchen Klöstern am Nachmittag z.B. schwarze Schokolade als Stärkungsmittel. Die Bandbreite solcher Stärkungsmittel variiert bis zu einem gewissen Grad von Kloster zu Kloster.

Auch gibt es Unterschiede in Bezug auf das Essen zwischen den buddhistischen Tradition. In der Mahayana-Tradition ist es z.B. vielfach üblich, am frühen Abend eine Gesundheitsmahlzeit einfacher Art einzunehmen. Auch wird nicht überall und immer schweigend gegessen.

26. Gehen Ordinierte noch Freundschaften (mit Laien) ein oder bleiben sie lieber unter sich?

Es geht nicht in erster Linie um Freundschaft. Vielmehr handelt sich um einen aufrichtigen Ausdruck des gegenseitigen Respekts der ganz natürlich entsteht.

Ordinierte lassen den Laien die Freiheit, den Respekt den sie empfinden, auf ihre eigene Art und Weise zum Ausdruck zu bringen. Sie sind stets bemüht die Gesten und freundschaftlichen Worte, welche Laien aufbringen, richtig und unmissverständlich zu deuten. Vor allem ist es den Ordinierten wichtig keine Hindernisse zu schaffen, welche die Laien in ihrer Geistesschulung hindern könnten.

Langjährige Freundschaften werden weiterhin in einem gewissen Rahmen bestehen.

27. Wie gehen Ordinierte mit ihrer Sexualität um? Gibt es Übungen, um die Sexualität zu transformieren?

Bekanntlich haben Mönche und Nonnen das Gelübde auf sich genommen, gänzlich auf sexuelle Aktivitäten zu verzichten. Natürlich bedeutet dies nicht, dass in ihnen sofort und auf Dauer keinerlei derartige Wünsche mehr auftauchen.

Sollte dies aber geschehen, können Ordinierte sich zunächst erneut ins Bewusstsein rufen, dass sie schließlich genau wissen, warum sie hier Entsagung praktizieren. Um die Befreiung von allen letztlich Leid bringenden psychisch-sozialen Abhängigkeiten zu erlangen, um auf dem Reinheitsweg schließlich die Heiligkeit oder die Buddhaschaft zu erreichen, gilt es, auch die Begierde und alle Anhaftungen loszulassen. Auch eine Reflexion über die Wechselhaftigkeit von Gefühlen, auf die kein Verlass ist, kann hier hilfreich sein. Auch die Konsequenz des Verlustes des Status als Ordinierte(r) sollte man sich bewusst machen.

Dazu stehen, wenn der Geist auf diese Weise erneut geklärt wurde, verschiedene Meditations-Methoden³ zur Verfügung, um die innere Haltung in dieser Frage erneut zu befestigen. So ist die Einsichts-/Beobachtungsmethode zu nennen, der konzentrierte Blick nach innen, wodurch die entstandene Unruhe, der Verlust eines ausgewogenen inneren Zustandes klar zu erfassen sind und daraus entsprechende Schlüsse gezogen werden können. Vor allem im Theravada gibt es ferner die Meditation über die Unreinheit des begehrten Körpers – vor allem was seine verdeckten, inneren Substanzen angeht – und seine Unbeständigkeit, die zu vergegenwärtigen sind – bis hin zum unausweichlichen Verwesungsprozess, dem Werden zu Staub.

Schließlich gibt es in der höchsten Tantra-Klasse Methoden der Umwandlung von Begierde in positive Energien, komplexe Visualisierungsprozesse, die jedoch ausschließlich im Zusammenhang mit Einweihungen unter der Leitung eines geeigneten Lehrers oder einer Lehrerin gemeistert werden können.

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Ordination

28. Können buddhistische Mönche und Nonnen von einer buddhistischen Tradition in eine andere wechseln (z. B. erst im Theravada ordiniert sein und dann sich im Mahayana ordinieren lassen)?

Ein Wechsel der Tradition ist durchaus möglich. Die Handhabung ist jedoch unterschiedlich.

Es hängt von den Traditionen und Klöstern ab, ob die Ordination neu genommen werden muss oder kann oder ob lediglich die Roben gewechselt werden.

29. Warum und wie ist so ein grosser Segen mit der buddhistischen Ordination verbunden (viele hochrangige Lehrerinnen und Lehrer sind ordiniert)?

Bei der Ordination gehen wir verschiedene Verpflichtungen ein, z.B. bestimmte ethische Grundregeln einzuhalten, den Mitmenschen zu nützen, unheilsame Handlungen zu vermeiden, was sicher ein Segen für die Gesellschaft ist.

Als Ordinierte besteht auch der Auftrag die Lehre Buddhas weiter zu geben, deshalb sind viele Ordinierte Lehrpersonen geworden.

30. Dürfen psychisch kranke Menschen ordiniert werden?

Es gibt immer wieder Menschen, die kommen aus dem Gefühl eines existentiellen Leidens, eines schweren, traumatisierenden Schicksals oder eines grundlegenden Mangels heraus zum Buddhismus und möchten auch ordiniert werden. Diese von existentiellen Leiden gequälten Menschen sind auf der Suche nach einer sogenannten „radikalen Therapie“.

Eine radikale Therapie, eine Methode, mit der sich eine psychische Krankheit konkret greifbar und unmittelbar verändern lässt, gibt es im buddhistischen Kontext nicht. Aus diesem Hintergrund ist zu empfehlen, sich zuvor in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn der Wunsch nach Ordination besteht. Erst nach einer Genesung kann der Wunsch nach einer Ordination ausgesprochen werden, welcher dann mit Sorgfalt geprüft wird.

Im alten Tibet hatten psychisch Kranke und Behinderte keine Chance, sich ordinieren zu lassen. Geshe Lhundup Sopa, einer der ersten Lharampa Geshes der nach Amerika kam, schreibt in seinem Buch mit dem Titel Tibetan Religious Culture, Library of Tibetan Works and Archives, 1983, Lesson one auf Seite 18 Folgendes: „Nach monastischem Brauch ist es nicht erlaubt, dass ein schwer körperlich Behinderter, ein Blinder, ein Tauber oder ein psychisch Kranker, etc. Mönch werden kann. Zu diesem Zweck prüft ihn der Ordinationsmeister, indem er dabei zusieht, wie dieser drei lange Niederwerfungen macht, und ihn befragt, ob er über seine Herkunft Auskunft geben kann.“⁴

31. Wer gibt die Gelübde, wenn man keinen festen Lehrer hat? Wie lange muss man bei einem Lehrer sein, bis dieser die Gelübde gibt?

Wenn man keinen festen Lehrer hat, kann man die Gelübde von jemandem bekommen, der mindestens zehn Jahre die gleichen Gelübde hat und sie einhält.

Jemanden, der so lange die Gelübde einhält, weiß um die Schwierigkeiten die damit einhergehen. Deswegen möchte er gerne denjenigen prüfen, dem er diese gibt. Das kann individuell verschieden sein.

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Klosteraufenthalt und Klostereintritt

32. Wo kann ich in einem Kloster wohnen oder dort Mönch oder Nonne werden?

Gegenwärtig gibt es in Deutschland erst einige wenige Klöster. Es sei jedoch angemerkt, dass im europäischen Ausland, insbesondere in Frankreich, zahlreichere Klöster entstanden sind. Davon zu unterscheiden sind die zahlreichen buddhistischen Zentren, über die die Website der Deutschen Buddhistischen Union Auskunft geben kann. Die Kapazitäten, jemanden dort aufzunehmen, sind allerdings begrenzt.

Will man in einem Kloster leben, so sollte man wissen, dass es verschiedene buddhistische Traditionen – vier Haupttraditionen – gibt. Die Übungspraktiken und die Erwartungen an die Mitbewohner, gar an Mönche oder Nonnen, sind dementsprechend unterschiedlich. So wäre es gut zu wissen, in welcher Tradition man praktizieren möchte. Eine persönliche Kontaktaufnahme und evtl.  ein wenig Suchen wären da zu empfehlen.

Meist ist es in den Klöstern üblich, zunächst eine kürzere oder etwas längere Zeit zu verbringen, während der man Schritt für Schritt selbst prüfen kann, ob das Leben dort für jemanden passend ist. Gut wäre es auch, zunächst die Motivation für solch einen bedeutsamen Schritt zu klären. Die auf dieser Website zu lesenden Texte können dabei hilfreich sein.

Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir davon absehen möchten, ein bestimmtes Kloster zu empfehlen.

¹ Dhammapada-Vers in der Übersetzung von Munisch B. Schiekel aus „Dhammapada – die Weisheitslehren des Buddha“, Herder spektrum Band 5305, Herder-Verlag Freiburg, 1998 – mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

² Alle Zitate entstammen der deutschen Übersetzung des Majjhima Nikaya – „Die Lehrreden des Buddha aus der Mittleren Sammlung“ von Kai Zumwinkel, Jhāna Verlag Uttenbühl 2001.

³ Weitere Methoden: siehe „Anhaftung an den Körper überwinden.“ (PDF)

⁴ Näheres zu dem wer nicht ordinieren kann findet man in Das Mahavagga des Vinayapitika, Verlag Beyerlein und Steinschulte, Seiten 44–49. (Download: RTF Datei.)

 

Zusammengestellt von buddhistischen Nonnen und Mönchen der DBO.