DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

DBO — 2. Sangha-Tag vom 1.–3. November 2011 im Nonnenkloster Anenja Vihara im Allgäu

Protokoll

Dienstag

Nach dem Gang durch das Haus fanden sich die sieben teilnehmenden Ordinierten zu einer Vorstellungsrunde ein. Immer wieder ist bei dieser Gelegenheit zu spüren, wie das Interesse für die einzelnen Ordinierten und ihre hierzulande so verschiedenen Lebensumstände ein Gefühl der Verbundenheit auf dem Weg bewirkt. Anschließend nahmen wir an der Abendandacht und der Meditation teil.

Ab 19 Uhr erläuterte die Ehrw. Sucinta uns einiges zur Vinaya-Praxis im Anenja Vihara. Es werde durchaus zunehmend leichter, als Bhikkhuni zu leben, da es inzwischen eine größere Anzahl davon gebe und auch Unterstützer für sie. Im Kloster gehe es darum, Zeit für die Praxis einschließlich der Meditation zu haben und gemäß dem Vinaya leben zu können. Der Lebensunterhalt beruht hier gänzlich auf den Almosen.

Als Prinzip des Lebensstils hob die Ehrw. Sucinta die Einfachheit hervor, die es sorgsam aufrecht zu erhalten gelte. So müsse man darauf achten, dass sich nicht mit der Zeit zu viele Dinge ansammelten. Auf ein TV-Gerät wird hier verzichtet, die Nutzung des PC stelle noch ein gewisses Problem dar.

Mittwoch

Nach der gemeinsamen Frühmeditation und dem Frühstück begann um 8 Uhr das Gespräch über Vinaya-Fragen. Als Grundlage dafür diente die Lesung einiger Partien aus dem Buch von Kevali Bhikkhu: Vinaya – die unbekannte Seite der Lehre des Buddha. Der Autor ist Deutscher und inzwischen Abt des Wat Pah-Nanachat in Thailand. Das Buch enthält die Lehren, die er in der BG in München für Nicht-Ordinierte gehalten hat.

Die Lesung der Texte führte zu Diskussionen über das Verhalten im Detail. Wie steht es z.B. mit dem Autofahren? Die Ehrw. Thubten Choedroen berichtete über den Brauch im TZH, täglich an den Buddha die Bitte zu richten, einige Dinge tun zu dürfen, die von den Vorschriften nicht gedeckt werden. Und wie verhält es sich mit der Gartenarbeit? Die Ehrw. Sucinta gab zu bedenken, es werde eine Geschichte ohne Ende, wenn man anfange, von der genauen Befolgung der Vorschriften abzuweichen. Auch die Frage, wie es zur Regel, abends keinen Bettelgang zu machen, gekommen sei, wurde diskutiert. Dies basiere nicht allein auf gesundheitlichen Erwägungen.

Um 11 Uhr nahmen wir das Mittagsmahl ein, ganz traditionell aus der großen Bettelschale und auf dem Kissen sitzend. Im Anschluss daran machten wir einen Gang zum nahebei gelegenen Buddha-Haus, um am Todestag der Ehrw. Ayya Khema den Stupa zu umwandeln. Bei wunderschönem Wetter konnten wir uns zudem an der herbstlich bunten Landschaft erfreuen.

Danach und nach der Abendandacht wurde das Gespräch über den Vinaya fortgesetzt. Es heiße, so hörten wir, wenn ein Buddha einen Vinaya gelehrt habe, lebe der Dharma länger. Das Gespräch drehte sich dann u. a. über den Umgang mit gespendeten Nahrungsmitteln, die nicht sogleich verzehrt werden. Im Kloster gebe es, so erläuterte die Ehrw. Sucinta, einen Raum, dessen Funktion als Kappia Bhumi festgesetzt worden sei. Dort dürften Lebensmittel aufbewahrt werden. Ähnlich wie in den Ajahn Chah- und anderen Klöstern gebe es hier die genau auf das Haus bezogenen Klosterregeln, die Kor What genannt werden.

Im Unterschied zu Ordinierten, die sozial oder landwirtschaftlich tätig sind, wird hier die kontemplative Praxis gelebt mit dem Vinaya als Basis.

Donnerstag

Im Anschluss an die bereits angesprochenen Themen ging es nun um den Austausch über bestimmte Aspekte der individuellen Situation der anwesenden Ordinierten. Zum Beispiel sprachen wir darüber, wie bei den Laien, mit denen man in einem Zentrum zusammenarbeite, ein angemessenes Verständnis etwa für die Einhaltung der Zeit für das Mittagessen hervorgebracht werden könnte, was im Einzelfall als nicht leicht zu bewirken dargestellt wurde.

Am Ende wurde die große Dankbarkeit für diese Möglichkeit, sich über den Vinaya auszutauschen, zum Ausdruck gebracht. Das Gespräch soll fortgesetzt werden, und zwar auf der Grundlage weiterer Texte:

Die Ehrw. Drime wird beim nächsten Treffen in das Kapitel über die Regenzeit im Mahavagga einführen. Die Ehrw. Sucinta wird das Kap.8 im Culavagga vorstellen.

Am Ende dieses wieder einmal inspirierenden und beglückenden Treffens galt es sehr herzlich zu danken für die großherzige Gastfreundschaft, die wir erfahren durften, und zudem für die wundervolle Versorgung durch die Helferinnen.

Protokoll: D. Doko Waskönig