DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

Von den Vorteilen, buddhistischer Mönch oder Nonne zu sein — Lama Zopa Rinpoche

Vor allem auf Grund von Verblendung behaupten einige, die Ordination sei für das 20. Jahrhundert [bzw. 21. Jh.] nicht relevant. Obwohl der Buddha und Jesus den Weg der Ordination aufgezeigt haben, [stimmt nicht für Jesus – Anm. DDW] bedeutet dies indessen nicht, dass alle Menschen Mönche oder Nonnen werden können – wie ja auch das Faktum, dass einige Laien gut praktizieren können, nicht bedeutet, dass sie es alle können. So ist es nicht. Für die meisten Laien ist dies schwierig, nicht jeder hat das Karma, ein Ordensmitglied zu werden. Nicht jeder kann zum Sangha gehören. Nur einige Menschen können dies, weil man eine Menge Verdienst dafür braucht, und Hindernisse dem nicht entgegenstehen dürfen. Wenn sich kein Hindernis zeigt, das aus deinem Geist kommt, dann kommt auch kein Hindernis von außen her.

Der Hauptpunkt ist, dass du, um den Dharma zu praktizieren, viel Zeit brauchst, in der du dich von den täuschenden Objekten entfernt halten kannst. Dies gilt vor allem für einen Anfänger. Du musst üben, bis der Geist in der Verwirklichung der drei Hauptaspekte (Entsagung, Bodhicitta und Leerheit) stabilisiert ist – wenn möglich sogar bis zum Erreichen einer befreiten Ebene. Deshalb werden Mönchs- und Nonnenklöster, Höhlen, Einsiedeleien – asketische Orte – gebraucht. Aus diesem Grunde gibt es in den Klöstern Disziplin – im Geist und im Außen. Dort erkennst Du, wie wichtig die Ethik ist.

Um den grundlegenden Pfad zu verwirklichen, brauchst du entsprechende Bedingungen für die Praxis: viel Meditation, viel Zeit für Studium und Meditation. Am wichtigsten ist es, den Geist nicht abzulenken. Je mehr negatives Karma du schaffst, desto mehr Hindernisse erzeugst du für die Verwirklichung. Und das hat zur Folge, dass es länger dauert und schwieriger wird, sich aus dem Samsara zu befreien. Dies bezieht sich schon allein auf dein eigenes Glück.

Daher gilt: So sehr du in reiner Ordination lebst, desto weniger verwickelst du dich in negatives Karma. Das heißt, es gibt weniger äußere Aktivitäten und Arbeit, weniger Ablenkungen und infolge dessen mehr Zeit für Meditation und Studium. Die Lebensweise eines Ordinierten hat viele Vorteile: Es gibt viel Zeit zum Meditieren, Studieren, um den Geist zu entwickeln.

Eines der wichtigsten Dinge, um wirklich den Weg zur Erleuchtung zu entfalten, ist die Verwirklichung von Shamatha – einsgerichteter Konzentration. Und dafür brauchst du viel Disziplin, viel Schutz, viel Ethik, und du musst viele Ablenkungen abschneiden. Sogar um eine Stunde lang gut zu meditieren, musst du Ablenkungen abschneiden und Disziplin üben. Sogar dafür musst du Anhaftungen aufgeben. Gibst Du dich aber den Anhaftungen anheim, kannst du nicht einmal eine Minute lang meditieren. Du findest keine Zeit dafür.

Die Umgebung ist sehr wichtig, damit der Sangha der Mönche und Nonnen beständig dazu inspiriert wird, damit fortzufahren, zu praktizieren – Monat für Monat, Jahr um Jahr – und den Geist auf dem Pfad zur Befreiung und Erleuchtung zu entwickeln. Besonders bei einem Anfänger, dessen Geist noch nicht in den drei Hauptwegen, dem Verweilen in Ruhe etc. gefestigt ist, wirkt sich die Umgebung stark auf den Geist aus … Der Geist, seit anfangsloser Zeit an Anhaftung gewöhnt, ist nämlich sehr schwach. Daher sind die Täuschungen so stark, insbesondere wenn täuschende Objekte dich umgeben, andererseits deine Absicht, dein Wunsch, Befreiung zu suchen, sehr schwach ist …

Wenn du die Lehren kennst, jedoch nicht praktizierst, werden äußere Objekte deinen Geist kontrollieren, ob du nun Laie oder Ordensmitglied bist, sie werden ihn überwältigen, so dass du die Objekte aufsuchen und ihnen hinterherlaufen wirst … Ziehst du dich nicht von dem inneren Leiden der Anhaftung und Begierde zurück, dann wird es ein wenig so sein, als wenn du ordiniert bist und inmitten der Objekte der Begierde gleichsam nahe bei einem Feuer sitzt und zugleich wünscht, es kühl zu haben.

Natürlich sollte eine gute äußere Umgebung für den westlichen Sangha geschaffen werden … Doch selbst wenn eine gute Umgebung da ist, ein Individuum des Sangha sich jedoch nicht in der rechten Umgebung aufhält, dann wird, wie bereits erläutert, das äußere Objekt den Geist einnehmen, da dieser sehr schwach ist und weder Verwirklichung noch Stabilität da sind. Das heißt, du wirst den Täuschungen folgen … Du wirst unfähig, den Dharma zu praktizieren und vermagst die Gelübde nicht zu leben. Dies macht dann das Leben so hart, so schwierig, und daher fühlt sich das Ordiniertenleben an wie ein Gefängnis. Dies ist jedoch eine unzutreffende Sichtweise.

Indem du die Folgen des Ordiniertenlebens bedenkst – die Befreiung und Erleuchtung –, solltest du dich sehr glücklich fühlen und dich an all den Vorteilen erfreuen, die du erhältst: Moralisches Verhalten ist wie ein Titel, auf Grund dessen andere dich respektieren, wie eine Arbeit, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Hundertprozentig wirst du eine gute Wiedergeburt erlangen, wann immer du stirbst. Ein moralisches Leben ist wie ein Pass für eine gute Wiedergeburt. Am dringlichsten ist es, die Wiedergeburt in den unteren Daseinsbereichen abzuschneiden.

Es gibt so viele Vorteile eines Ordiniertenlebens, wie sie der Buddha in den Sutras und Lamrim-Lehren erläuterte. In der Reuebezeugung der Mönche, die zweimal im Monat erfolgt, werden zur Inspiration einige dieser Vorteile des Haltens der Gelübde rezitiert, ebenso wie einige der Folgen, wenn man sie bricht … Jemand, der sich moralisch verhält, wird niemals Schaden durch andere erleiden. Dieser Punkt ist sehr wichtig. Um Schaden durch andere zu erfahren, musst du die Ursache dafür schaffen, das heißt, anderen Schaden zufügen. Du solltest dich auf diesen so wichtigen, sehr logischen Punkt konzentrieren.

Jede Ordensgemeinschaft muss einen Plan haben, um sich zu schützen, indem sie in der rechten Umgebung lebt. Daher werden Klöster errichtet, und dies ist auch die Absicht hinter den Vinaya-Regeln. Sie helfen dabei, den Geist zu beschützen. Indem du den Geist schützt, ihn bewachst, wirst du frei von Problemen und Hindernissen, all den Leid bringenden Erfahrungen. All deine Wünsche nach Glück, bis hin zur höchsten Erleuchtung, werden erfüllt und bewirken zudem das Glück für alle Wesen.

Viele der Vorschriften des Vinaya, die beschreiben, was zu tun und was zu lassen ist, wurden vom Buddha festgelegt, um den Geist der Menschen zu schützen, sie davon abzuhalten, den Sangha zu kritisieren, was eine sehr schwerwiegende Sache ist. Das geschieht, wenn Du unaufmerksam bezüglich der Gefühle, des Glücks und Leidens der Wesen bist. So ist man dafür verantwortlich, den Geist anderer zu führen. Ist man dazu fähig, dem Vinaya korrekt zu folgen, erzeugt dies bei anderen viel Vertrauen und pflanzt in ihnen die Samen der Befreiung und Erleuchtung. Es inspiriert sie dazu, dem Weg zu folgen, indem sie die Ordination nehmen.

Normalerweise folgen die Lebewesen dem Beispiel des Buddha darin, wie der Dharma zu praktizieren ist. Bist du Ordensmitglied, wirst du von anderen respektiert, und sie werden dazu veranlasst, viel Gutes zu tun. Selbst wenn sie dich nur respektieren, erzeugen sie schon viel Verdienst. Wenn man in reiner Ordination lebt, lässt dies die Gebete für andere sehr kraftvoll und erfolgreich werden. Deine Gebete und Andachten haben eine große Wirkkraft für andere Menschen. Wenn du ein reines Leben führst, bedeutet dies, dass du das Resultat viel leichter erreichen kannst. Deine Rezitation der Mantras hat viel mehr Kraft und Wirkung …

Es ist ein großer Unterschied, ob ein Laie oder ein Ordinierter den Dharma lehrt. Bist du ordiniert, gibt es eine große Wirkung, weil jemand einen Menschen vor sich sieht, der in Entsagung lebt. Laien werden respektieren, was du tust, indem du ein Leben lebst, wie es ein Laie nicht tun kann – in einer Qualität, die schwierig zu erlangen ist. Respekt entsteht auf Seiten der Laien. Laien sollten in dieser Weise denken, sie sollten so auf den Sangha blicken und Hingabe entwickeln. Wenn die Laien nicht denken, dass der Sangha einige Qualitäten habe und keine Gaben darbringen, den Sangha nicht unterstützen, schaffen sie kein gutes Karma für sich selbst.

Ohne den Geist zu beschützen, ohne moralische Haltung, kannst du den anderen Wesen nicht optimal dienen, selbst als Laie nicht. Versuchst du, anderen zu helfen, ergeben sich die Probleme und Schwierigkeiten immer wegen deines Egos, wegen der drei Geistesgifte. Also kannst du ohne Dharma-Praxis den anderen nicht wirklich vollkommen dienen …

Was das Leben einer Nonne oder eines Mönchs schwierig macht, ist folgenden: Hast du Nirvana als Ziel in deinem Herzen, wird es äußerst einfach. Es gibt kein Problem, selbst wenn du einige Notlagen erfährst, ist es ein Vergnügen, denn sie sind für deinen Geist nicht so wichtig. Wenn jedoch in deinem Herzen das Ziel, das du erlangen möchtest, Samsara ist, das Genießen der samsarischen Freuden, dann machst du dir selbst das Leben schwer, selbst wenn dies andere nicht tun. Selbst wenn andere denken, es sei okay, wird es in deinem Bewusstsein schwierig. Also hängt das Leben als Ordinierte(r) davon ab, welches Ziel in deinem Herzen ist. Änderst du es von Samsara hin zu Befreiung und Erleuchtung und bewahrst dies vierundzwanzig Stunden, die ganze Zeit, dann gibt es kein Problem. Auf diese Weise ist dein Leben nicht zerrissen, und in deinem Herz ist Klarheit.

Natürlich kannst du nicht beides haben: Samsara und Befreiung. Wie schon die Kadampa Geshes erwähnten, kann man nicht mit einer doppelspitzigen Nadel nähen. Auf diese Weise verlierst du die Befreiung durch den Dharma. Wie die Kadampa Geshes anmerkten, passen das Suchen nach Glück in diesem Leben und die Suche nach dem Dharma nicht zusammen. Wenn du Glück im Leben suchst, verlierst du den Dharma, wie es das Beispiel der Nadel mit zwei Spitzen zeigt, mit der man nicht nähen kann. Der Dharma und die Befreiung gehen verloren, wenn du sowohl Nirvana als auch Samsara suchst.

Diese Beispiele lassen, auch ohne den Bezug zum Buddha-Weg, verstehen, wie wichtig, notwendig ein Ordiniertenleben ist. Wenn man daher im Westen verallgemeinert, ordiniert zu sein, sei keine gute Sache, und die Praxis als Laie sei das Beste für jede(n), ist das eine falsche Sichtweise.

Lama Zopa Rinpoche ist spiritueller Leiter der Stiftung zur Erhaltung der Mahayana Tradition (FPMT) mit Buddhistischen Zentren weltweit. ↠ www.fpmt.org

Mit freundlicher Genehmigung aus „Mandala“, Sept.-Oct. 1996 – gekürzt, aus dem Englischen von DDW.