DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

10. Jahrestreffen im Kamalashila-Institut vom 21.–23. Mai 2013

Protokoll

Dienstag, Beginn 16:50 Uhr

Im Rahmen unserer Schulungen in Vinaya-Angelegenheiten stellte die Ehrw. Jinpa zwei Kapitel aus dem Buch von Kevali Bhikkhu vor: „Vinaya – die unbekannte Seite der Lehre des Buddha“. Zunächst das 13. Kapitel: „Respekt in der Sangha: Umgang mit Ermahnung und Kritik“.

Als Bemerkenswert stellte sie heraus, dass aktiv zu Ermahnung und Kritik eingeladen werde. Wahre Eintracht entstehe im Sangha, wenn Streitpunkte von der Wurzel her untersucht würden. Heutzutage könnten strittige Dinge auch in informeller Weise behandelt werden, indem z.B. um ein aufrichtiges Feedback gebeten werde. Hervorzuheben sei weiter eine hier wie anderswo zu bemerkende Eigenart, die das Ordensleben charakterisiert: eine erwünschte wechselseitige Unterstützung von Lehrer und Schüler auch hinsichtlich dieses Themas.

Zum Annehmen von Kritik gehört, dass man sich nicht unansprechbar machen, nicht ausweichen oder zum Gegenangriff übergehen solle. Generell seien Ermahnung und Kritik respektvoll anzunehmen, ein Punkt, der einige Diskussion bewirkte. Wo liegt die Grenze zum bloßen Erdulden unter hierarchischen Vorzeichen, wenn es – tatsächlich oder vermeintlich – an Einsicht oder korrekter Einschätzung eines Vorgangs auf der einen oder anderen Seite mangelt?

Zur Deeskalation mag die Pflicht beitragen, vor einer Ermahnung um eine Gelegenheit dazu bitten zu müssen. Unter bestimmten Voraussetzungen braucht einer solchen Bitte jedoch nicht stattgegeben werden. Auch solle man fünf Qualitäten in sich hervorbringen, wenn man selbst eine Ermahnung ausspreche. Anschließend ging es um das Thema des Verheimlichens oder Öffentlich-Machens von Regelverstößen.

Das 14. Kapitel des Buches behandelt „Streitgespräche und Streitschlichtung“. Zur Sprache kamen die 18 Themen von Streitgesprächen, fünf Punkte für ein aufzunehmendes Diskussionsthema sowie die Wurzeln von Streitigkeiten. Vier Arten des Rechtsverfahrens bei der Streitschlichtung wurden angesprochen sowie sieben Arten der Beilegung und Befriedung von Rechtsverfahren.

19:00 – 20:00 Uhr: Stille Meditation, wie üblich geworden mit der Rezitation der Zuflucht in verschiedenen Sprachen
Ab 20:15 Uhr: Diskussion über das Thema der Ermahnungen

Mittwoch

06:30 – 07:15 Uhr: gemeinsame Morgenmeditation und Rezitation
08:15 – 11:15 Uhr: Die Ehrw. Sucinta sprach zum Thema „Was ist ein Kloster – wie entstehen Klöster?
Zunächst berichtete sie über die bei Wikipedia zu findende Definition. Einiges dort sei brauchbar, einige aus dem christlichen Kontext stammende Begriffe passen für uns nicht. Das gelte v.a. für den Begriff „Claustrum, Klausur“, denn unsere Tür stehe offen, wenn auch nicht zu jeder Zeit. Eher zutreffend sei der Terminus „monastisch“, der von „monos“, allein, abzuleiten ist. Allerdings brauchen wir einen Ausgleich von Alleinsein und Gemeinschaft, Unterstützung.

Ausgehend von der bei Wikipedia genannten Charakterisierung des Klosterlebens als „vita communis“ ergänzte die Ehrw. Sucinta, ein buddhistisches Kloster sei eine Anlage zur Verwirklichung von Dhamma und Vinaya, v.a. ein Ort der Praxis für Bhikkhus und Bhikkhunīs. Die Baulichkeiten seien nicht das Wichtigste. Laut Sanghadisesa Nr 3 (laut Theravada-Vinaya = Nr. 7 im Dharmagupta-Vinaya) könnten Bhikkhunīs eigentlich nur in Gemeinschaft leben.

Zwei wichtige Aufgaben des Klosters sind das Training, auch für den Nachwuchs, sowie die Lehre, auch für die Laien, die als Gäste kommen, nicht zuletzt im Sinne des wechselseitigen Bezogen-Seins von Ordinierten und Laienanhänger. Gast zu sein ermögliche ihnen etwas Wichtiges: das Kennenlernen des Ordenslebens vor Ort.

Es folgten Ausführungen zur Geschichte der Klöster auf der Basis von Hans Wolfgang Schumanns Buch „Der historische Buddha“. Drei Begriffe sind in diesem Zusammenhang zu finden:

Der Sangha ist aus der indischen Samana-Bewegung entstanden, einer Alternative zum Brahmanentum. Schon für die Samanas galten Zölibat, Besitzlosigkeit, heimatloses Wandern (hierzulande der schwierigste Punkt) sowie die Unterstützung durch Almosen. Später erst kamen die von Buddha fixierten spezifischeren Regeln hinzu.

Zu den Vorteilen des Zusammenlebens (zumindest während der Regenzeit, Vassa) gehören das Leben unter den Augen von Älteren, deren Vorbild sowie ein Erlernen der Etikette. Regeln müssen erlernt werden, es braucht Zeit für Studien und Rezitation. Auch entstehe ein Gefühl der Zugehörigkeit und für die Unterstützung. Spirituelle Freundschaften können entstehen.

Die Gründung von Klöstern geschieht auf vielfältige Weise. In der Diskussion ging es um Fragen des Eigentums, westliche Erfahrungen mit dem Problem des finanziellen Erhalts, ein Leben mit westlichen Laien und die zu übernehmende Verantwortung, notfalls allein.

Wie ist es praktisch bei einigen Gründungen verlaufen? Die Ehrw. Sucinta steuerte ihre Erfahrungen aus Australien bei, wo es dank der Unterstützungsbereitschaft vieler Singhalesen günstige Bedingungen gebe. Dann schilderte sie in einigen Details die Situation im von ihr geleiteten Anenja Vihāra im Allgäu, wo die Unterstützer weit weg wohnen. Das Kochen müsse daher im Kloster stattfinden, die Lebensmittel würden meist mitgebracht. Für den Fall gelegentlichen Mangels an frischen Sachen besteht derzeit das Angebot eines Spenders, dass die Küchenmanagerin auf seine Kosten eine Bestellung bei einem Bringdienst aufgeben kann.

14:00 Uhr – 15:50 Uhr: Mitgliederversammlung der DBO (siehe gesondertes Protokoll)

Ab 16:20 Uhr: Fortsetzung der Thematik des Klosters. Ein Vihāra ist einfacher zu gründen als ein Tempel, wo z.B. Parkplätze vorhanden sein müssen. Das Tagesprogramm des Anenja Vihāra, das um 4 Uhr mit der Meditation beginnt, wurde vorgestellt. Schlussendlich wurde noch die Frage erörtert, ob das eigene Zimmer in einem Zentrum oder in einer Privatwohnung als Klosterraum aufgefasst werden könne.

Ab 18:15 Uhr: Für die Website sollen weitere der häufig gestellten Fragen (FAQs) beantwortet werden. Alle Anwesenden übernahmen eine Aufgabe. Die Texte sollen bis Ende Juni an diesen Kreis zur Prüfung gehen und dann bis Ende August fertiggestellt werden.

Donnerstag

06:30 – 07:15 Uhr: gemeinsame Morgenmeditation und Rezitation
ab 08:15 Uhr: Termine, Planungen

In diesem Jahr wird noch ein Sangha-Tag stattfinden (ohne Vereinsdinge):

Für das nächste Jahr wird direkt im Anschluss an das Jahrestreffen inkl. Mitgliederversammlung ein Meditations-Retreat stattfinden: Praxis im Schweigen gemäß der eigenen Methoden:

Bei dem direkt vor dem Retreat stattfindenden nächsten Jahrestreffen wollen wir das Thema der „vier Requisiten der Ordinierten“ fortsetzen, das auch beim Sangha-Tag 2013 behandelt wird. Die Ehrw. Sucinta wird das Thema „Essen“ übernehmen.

Anschließend ging es um die Begriffsklärung und den Status von Novizen, eine Bezeichnung, die von einigen als für unsere Belange unzutreffend angesehen wird. Zur Sprache kamen auch Begriffe für das Gehen in die Hauslosigkeit. Im Pali beziehe sich Pabbajjā auf Samanas/Samanerīs, während Upasampadā auf Bhikkhus/Bhikkunīs bezogen werde. Für die Website sollen Erläuterungen dazu verfasst werden. Die Ehrwürdigen Sucinta, Geleg und Doko übernahmen diese Aufgaben.

Stiftungen: Die Ehrw. Agganyani präsentierte alte DBU-Protokolle, die im Widerspruch zu neuen Informationen von Seiten der DBU stehen. Der Ehrw. Geleg wird beim DBU-Rat nachfragen.

Mit einem herzlichen Dank an das Kamalashila-Institut und die uns betreuenden Unterstützer/Innen ging dieses uns wieder bereichernde Treffen zu Ende.

Protokoll 11. Juni 2013
Bhiksunī Doko