DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

Jahrestreffen 1–3. April 2014 und Meditationsklausur vom 3.–10. April 2014 im Kloster Vien Duc, Ravensburg

Protokoll

Dienstag

Nach den Einführenden Worten des Ehrw. Thich Nhu Dien stand von 17-18.15 Uhr das Robenkapitel des Mahavagga auf dem Programm, über das die Ehrw. Doko referierte. Zwei interessante Dinge wurden von den Nonnen dazu beigetragen: „Kathina“ bedeute eigentlich „Rahmen zum Nähen“; und mit dem als „Kreisstich“ unverständlich übersetzten Begriff ist wahrscheinlich der Rückstich gemeint, der demnach hier von früh an nachweisbar ist.

Von 19.30-20.20 Uhr schlossen sich stille Meditation und Zufluchtnahme an.

Mittwoch

Um 6.45 Uhr begann die Morgenmeditation.
Von 9 – 9.45 Uhr referierte der Ehrw. Thich Nhu Dien über Anforderungen die an die Ordinationsanwärter und Samaneras/Samaneris gestellt werden. Zwei Andachten sind zu erlernen (Surangama-Sutra-Mantra), was in einer Woche oder in einem oder zwei Jahren möglich sei. Nach der Samanera-Prüfung sind die Gelübde-Bücher, alle Silas auswendig zu lernen. Die wesentlichen Punkte wichtiger Sutras – Diamant-Sutra, Mahaprajnaparamita-Sutras, Lotus-Sutra – sollen gewusst werden.
Die Siksamana-Zeit beträgt zwei Jahre, alte Nonnen können im Mönchskloster bleiben.

Weiterhin erklärte der Ehrwürdige die dort üblichen Respektbezeichnungen für Bhiksus/Bhiksunis. Der Begriff Thay=Lama=Sunim bezeichnet Mönche/Nonnen. Ist man 20 Jahre Bhiksu/Bhiksuni, wird man Ehrwürdige bzw. Reverend genannt, nach 40 Jahren Most Venerable bzw. Hoch Ehrwürdige. Und nach 60 Jahren Hoch Hochehrwürdige.
Ohne die praktizierte Regenzeit-Klausur werde man ebenso bezeichnet, jedoch weniger respektiert. Für die Anrechnung von Vassa kann die Teilnahme von 45 Tagen ausreichen. Die Vietnamesen praktizieren Vassa von Vesakh im Mai bis zum Ullanbana-Fest im August. Zweimal monatlich findet die Sila-Rezitation (Pratimoksa-Sutra) statt, am Ende die Pavarana-Zeremonie.

Im Anschluss an diese Erläuterungen überraschte der Ehrw. Altabt uns mit dem Angebot, dass Mahayana-Praktizierende der DBO am 14. Mai in Hannover an der Anfangszeremonie für die Klausur teilnehmen können, damit bei ihnen Vassa angerechnet werden könne. Vier Nonnen haben dies inzwischen dankbar getan. Weiter gab es Erläuterungen über die Regelungen von Abwesenheit während der Klausurzeit.

Von 9.15 Uhr an referierte die Ehrw. Sucinta zum Thema Essen, wobei sie verschiedene Quellen einbezog. Im Mahavagga (I,64) werden die vier Requisiten behandelt, darunter auch die Almosenspeise. Zufriedenheit und die Notwendigkeit, des Essens, um das Leben als Mönch oder Nonne fortsetzen zu können, werden angesprochen. In MN 43 geht es darum, dass sich Ordinierte auf Notwendiges beschränken sollten. In MN 2 findet sich ein Text, der in vielen Klöstern der Theravada-Tradition vor dem Essen rezitiert wird. Es geht um die rechten Haltungen – das Finden des richtigen Maßes, Bescheidenheit, wodurch Befleckungen reduziert werden. Im Sutta Vibhanga für Bhikkhus gibt es einen Abschnitt mit zehn Regeln, die sich speziell mit dem Essen befassen und die auch für Bhikkhunis gelten. Da es manche Ungewissheit bezüglich des Gebens von Speisen gebe, seien detaillierte Angaben gut, um Disharmonie in der Gemeinschaft zu vermeiden.

Im Pali-Kanon werden die Lebensmittel in zwei Gruppen unterteilt, um Regelverstöße abzuklären: bhojana/bhojaniya und khadaniya. Übliche Übersetzungen als „weichere bzw. härtere“ Speisen träfen nicht das Wesentliche, so führte die Ehrw. Sucinta aus. Treffender sei die Einteilung in Grundnahrungsmittel und Nicht-Grundnahrungsmittel. Allerdings galten in Indien zur Zeit Buddhas Brot, Teigwaren und Kartoffeln nicht als Grundnahrungsmittel.

Unter die Grundnahrungsmittel fallen fünf Arten: gekochtes Getreide, Kummase (unklar), Suttu, ein geröstetes und zerstampftes Getreide (z.B. Tsampa), ferner Fisch und Fleisch, wobei einige Tiere ausgenommen werden. Fisch und Fleisch dürfen nicht roh sein; zu vermeiden sind daher rohes Hack, Austern, rohe Eier, Kaviar. Abzulehnen wäre das Fleisch, wenn gesehen, gehört oder angenommen werden kann, dass das Tier extra für den Mönch/die Nonne getötet wurde.

Schwieriger sei die Definition von khadaniya. Dazu gehören u.a. Mehl und Mehlprodukte ohne Ei, Knollengewächse wie Kartoffeln, Sprossen, Rinde, Blätter, Früchte, Nüsse, Samen und Harz. Im Westen wäre in einem Zickzackkurs alles, was Ei enthält, zu den Grundnahrungsmitteln zu zählen, Brot, Teigwaren ohne Ei jedoch zu den Nicht-Grundnahrungsmitteln – im Gegensatz zu zerstampftem Getreide, das als Grundnahrung gilt. Trinkbarer Reisbrei wird anders als dickere Reissuppe ebenfalls zu den Nicht-Grundnahrungsmitteln gerechnet. Dazu gehören auch Milch und Joghurt.

Des Weiteren wird nach folgenden drei Klassen mit unterschiedlicher Aufbewahrungszeit unterschieden:
a. Säfte
b. Fünf Stärkungsmittel (Ghee, Butter, Öl, Honig, Zucker und Molasse), die bis max. zum siebten Morgengrauen nach dem Erhalt aufbewahrt werden können
c. Medizin

Im 4. Kap. des Bhikkhu-Patimokkha (Theravada) werden 10 Pacittiya-Regeln angeführt. Die Ehrw. Sucinta stellte deren drei vor, die ihre Parallelen in den Pratimoksa-Regeln der anderen Traditionen haben:

Nr. 37 = 120 (Bhikkhunis), wo es um die rechte Zeit für das Essen geht
Nr. 38 = 121 (Bhikkhunis), wo es um aufbewahrte Speisen geht
Nr. 40 = 122 (Bhikkhunis), wo es um nichtgegebene Nahrung geht

Im Dharmagupta-Bhiksuni-Pratimoksa entsprechen die Nrn. 120-122 den Nrn. 24-26, bei den Sarvastivadin den Nrn. 23-25.

Abschließend erläuterte die Ehrw. Sucinta den Tagesablauf im Anenja Vihara sowie die Frage, warum Ordinierte nach der Mittagszeit nichts mehr essen.

Der Ehrw. Altabt ergänzte zwei Hinweise zum Vegetarismus in ostasiatischen Klöstern, die im Zusammenhang mit den Bodhisattva-Gelübden stehen. In den Nebengelübden heiße es, alle Wesen seien einst unsere Mütter und Väter gewesen, daher esse man kein Fleisch. Im Nirvana-Sutra stehe , wenn man zur Familie der Bodhisattvas und Buddhas gehören wolle, ernähre man sich vegetarisch.

Ab 14 Uhr fand die Mitgliederversammlung der DBO statt (gesondert protokolliert)
Ab 20.30 Uhr wurde Verschiedenes diskutiert, u.a. die Siksamana-Ausbildungsfrage.

Donnerstag

Ab 6.45 Uhr stille Meditation
9 Uhr Feedback, Termine, Planung der anschließenden Klausur

Ein Sangha Tag ist wieder im November oder Dezember geplant. Ein Ort wird noch gesucht (Thai-Tempel Hannover?)

Jahrestreffen 2015: Di, den 12.- Do, den 14. Mai

Anschließend fand vom 3.-10. April mit einer etwas verkleinerten Gruppe das Meditations-Retreat statt mit stiller Meditation, einigen gemeinsamen Sitzzeiten sowie frei verfügbaren Perioden. Am Samstag-Abend lud der Altabt uns in die Buddha-Halle ein zu einem berührenden Gespräch mit einer vietnamesischen Laien-Gruppe, die sich zu einer Wochenendpraxis versammelt hatte.

Mit großem Dank an den Ehrw. Altabt und die UnterstützerInnen, die uns versorgt hatten, verabschiedeten wir und am 10. April aus dem Kloster.

Protokoll 23. Mai 2014
Bhiksunī Doko