DBO - Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft

Jahrestreffen vom 12.–14.5.2015 im Wat Dhammavihara in Hannover

Protokoll

Dienstag

Ab 16.30 Uhr: Die Ehrw. Thubten Choedroen stellte das Kapitel über Pavarana aus dem Vinaya-Buch Mahavagga vor. Dies ist die Abschluss-Zeremonie, die traditionell einen Tag nach Ende der Dreimonats-Klausur stattfindet. Mit einer von Buddha eingesetzten Formel wird dann die Einladung zur gegenseitigen Kritik ausgesprochen. Diese betrifft Vorgänge, die während der Klausur gesehen, gehört oder vermutet werden. Ein Mönch muss nicht vor einer Nonne bekennen.   Eine eingehende Diskussion über dieses Verfahren, das wohl gerade westlichen Ordinierten schwierig erscheinen mag, schloss sich daran an. Doch wurde von einigen Nonnen berichtet, wie sehr dadurch ein gegenseitiges Vertrauen gestärkt werde. Auch könne im Westen ein allgemeines Feedback über die Klausurzeit gegeben werden, wobei auch Positives ausgesprochen werden mag.

Ab 19.30 fand die gemeinsame stille Meditation mit der Rezitation der Zuflucht in verschiedenen Sprachen statt. 

Mittwoch

Ab 8.15 Uhr: Im Anschluss an die Frühmeditation und dem gemeinsam mit den Thai-Mönchen eingenommenen Frühstück stellte die Ehrw. Doko zwei Kapitel aus dem Vinaya-Buch von Kevali Bhikkhu vor. Zunächst ging es um Respekt im Sangha: Umgang mit Ermahnung und Kritik. Offensichtlich war es schon zu Lebzeiten des Buddha nicht immer leicht, die Ermahnung anderer Mönche anzunehmen. Der Text schildert, wie sich der Mönch Channa, einst der Wagenlehrer des Buddha, in einer Situation „nicht ansprechbar“ gemacht habe. Der Buddha erließ daraufhin eine Schulungsregel, der gemäß sich ein Mönch „ansprechbar machen“ solle. So sei das Gefolge des Erhabenen zu Wachstum gekommen, nämlich: durch gegenseitiges Sich-Ansprechen und gegenseitige Hilfe aus dem Verstoß hinaus.  

Bemerkenswert ist dabei außerdem, dass nicht unvorbereitet kritisiert werden soll, vielmehr zuvor um die Gelegenheit dazu zu bitten ist. Sodann werden zehn Aspekte angeführt, die es durchaus möglich machen, jene Bitte abschlägig zu beantworten. Und natürlich wird die Selbstprüfung des Ermahnenden, seine Motivation, eingehend angesprochen.   Im Folgenden ging es um das 14. Kap. des genannten Buches: Streitgespräche und Streitschlichtung. Der größte Streit im Sangha zur Zeit des Buddha trug sich in Kosambi zu, worüber eingehend im letzten Kap. des Mahavagga berichtet wird.

Dieser in mancher Hinsicht lehrreiche Bericht führte zu einem langen und differenzierten Gespräch über das Thema der Gewaltlosigkeit in persönlicher und weltpolitischer Hinsicht.   Im Text von Kevali Bhikkhu werden dann 18 Themen von Streitgesprächen genannt, 5 Punkte für ein aufzunehmendes Diskussionsthema, die Wurzeln von Streitigkeiten sowie die Streitschlichtung, wobei 4 Arten von Rechtsverfahren und 7 Arten der Beilegung und Befriedung von Rechtsverfahren angegeben werden.

Von 14 Uhr – 17.50 Uhr fand die Mitgliederversammlung des Vereins statt, wozu separat ein Protokoll verfasst worden ist.

Ab 19.30 Uhr gab es wieder eine stille Meditation, ein Spaziergang mit informellem Austausch schloss sich daran an.

Donnerstag

Ab 8.15 Uhr: Die Ehrw. Thubten Choedroen ergänzte noch einiges zum Thema Pavarana. Auch hieran schloss sich eine Diskussion über das Kritik-Verfahren an. Samaneris sind nicht dabei zugegen. 

Schließlich wurden die nächsten Termine festgelegt:

Der Sangha-Tag soll vom 2.-4. November 2015 stattfinden – diesmal von Montag bis Mittwoch. Eine Zusage, im Tempel Vien Duc in Ravensburg tagen zu dürfen, liegt bereits vor. 

Das nächste Jahrestreffen inkl. der Mitgliederversammlung soll vom 12.-14. April 2016 stattfinden.   Nach dem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns bereichert und mit großem Dank an den Wat und an die uns versorgenden Thais.

Hannover, den 18.05.2015 
Bhiksunī Doko